Anleitung zum Öffnen – Erfahrungen mit Ines Kivelitz in der Hunde-Akademie Perdita Lübbe

Seminar „Stolperst Du noch oder kommunizierst Du schon?“ mit Ines Kivelitz in der Hunde-Akademie Perdita Lübbe

Es ist ein Kreuz mit ihnen. Nein, nicht den Hundetrainern; mit denen zwar (recht häufig) auch, aber ausnahmsweise meine ich die nicht. Ich meine die Seminarbeschreibungen – und damit schließt sich ja auch irgendwie der Kreis – man kann ihnen einfach nicht trauen. Selbst sehr gut organisierte Veranstalter versäumen es, sie auf die exakten Seminarinhalte anzupassen oder überhaupt den richtigen Seminartext zur Veranstaltung zu pinnen. Was die Folge davon ist, ist klar: Der Kunde bucht ein Seminar, dass er eigentlich gar nicht buchen wollte. Eigentlich unverzeihlich. Eigentlich.

Mit Veranstaltungsbeschreibungen ist das immer so eine Sache. Mal versprechen sie zu wenig, oft versprechen sie zu viel und manchmal möchte man sogar den Raum verlassen, in der Hoffnung es gäbe noch eine Raum nebenan, in dem die eigentliche Veranstaltung stattfindet. Bei Hundeseminaren kommt hierbei noch eine besondere Komponente hinzu, die Teilnehmer und deren Hunde, die je nach Thema die Veranstaltung nicht unwesentlich beeinflussen können. – Aber man muss auch fair sein. Manchmal entwickeln sich die Dinge auch erst. So auch hier.

Als ich damals die Idee hatte, mir einen vierbeinigen Begleiter zum Joggen und Radfahren anzuschaffen und mich mein Karma auf diversen Umwegen zu einem Beagle und später einem Schäferhund brachte, die beide im Grunde unterschiedlicher nicht sein könnten und sehr genaue Vorstellungen davon hatten, was von meinen Vorstellungen nicht zu ihren passt, fing ich an, Seminare zu buchen. Hundeseminare natürlich. Und Vorträge. Und Workshops. Eines hatten die meisten dabei sehr häufig gemeinsam: Sie waren schlecht bis sehr schlecht organisiert.

Umso überraschter war ich über die Buchung bei der Hunde-Akademie Perdita Lübbe, die ein Vorzeigebeispiel für jeden Customer-Relationship-Management-Ratgeber sein könnte. Nimmt man die Farben und diverse grafische Spielereien aus dem Spiel, die sicher ja auch irgendwie Geschmackssache sind, ist die Web-Seite übersichtlich gestaltet und man ist in wenigen Klicks am gewünschten Ziel. Die Seite wird ganz offensichtlich aktuell gehalten und ist kein Datenfriedhof, wie man das von Seiten anderer Anbieter kennt.

Die Anmeldung war ein Traum. Ich schreibe eine E-Mail-Nachricht und bekomme keine zwei Stunden später eine Antwort. Freundlich, in korrektem Deutsch, mit Anrede, Grußtext und Footer. Eine Mitarbeiterin der Akademie übersendet mir die Anmeldeformulare in PDF-Form. Großartig. Würde man diese Buchung in den CRM-Ratgeber übernehmen, wäre zwar die Absendeadresse der Mitarbeiterin keine GMX-Adresse und das PDF ein Formular, welches man am Computer ausfüllen kann, aber das sind Kinkerlitzchen!

Der weitere Verlauf der Kommunikation verläuft reibungslos. Ich erhalte eine Buchungsbestätigung und eine verbindliche Zusage für den gebuchten Platz. Einige Tage vor Beginn der Veranstaltung erhalte ich eine weitere E-Mail-Nachricht mit genauen Angaben zum Veranstaltungsort, zu den Parkmöglichkeiten und wohin ich mich zu welcher Zeit begeben muss. Ich bin sehr zufrieden.

Es geht los. Die Straßen sind frei. Wir kommen eine halbe Stunde zu früh. Die Referentin, Ines Kivelitz, ist bereits da und unterhält sich mit einer Teilnehmerin. In einer kurzen Gesprächspause begrüßt sie uns sehr herzlich. Angenehmer Mensch. Chemie stimmt. Kann gut werden. Der Raum ist aufgeräumt, sehr sauber, groß genug für die anvisierte Zahl an Teilnehmern und ihre Hunde und die Sanitären Anlagen sind direkt nebenan. Ebenfalls sauber. Gut. Auf den Tischen liegen Blöcke und Kugelschreiber. Für Getränke ist gesorgt. Sehr gut! Der Kaffee schmeckt nicht. Nicht so gut.

Das Seminar geht pünktlich los. Ines Kivelitz wirkt ausgeschlafen, ist konzentriert und motiviert. Wir stellen uns vor und beantworten, was wir uns unter Kommunikation vorstellen. An diesem Punkt zweifle ich etwas. Aber völlig zu Unrecht, wie sich später heraus stellt.

Wir sprechen über Führen und Folgen. Über Kommunikation im Allgemeinen und im Speziellen. In der Mittagspause gibt es nur Imbiss, den man optional bestellen kann. Schade, etwas Leichteres wäre schön gewesen. Ein Salat oder so, mit Putenbruststreifen. Aber man kann auch hier nicht alles haben.

Wir gehen nach draußen und führen einige kleinere Übungen durch. Die erste Übung ist einfach. Wir gehen von A nach B. – Öhm. Okay. – Und dann schauen wir uns das auf Video an. Hm. Hm. Hm… – War dann aber doch spannend, muss man gesehen haben. Also, sich selbst und wie doof man eben manchmal so da stehen kann und wie wenig von der Kommunikation übrig bleibt, wenn man mal genau hinsieht.

Später machen wir ein paar Konzentrationsübungen mit dem Hund. Es geht dabei, wie zu erwarten war – um Kommunikation. Hund und Halter, die sich aufeinander einstellen, Hunde die nachfragen und Halter, die auch antworten. Schöne Sache. Ein paar kleinere Kniffe waren auch dabei. Es hat sich also schon mal gelohnt.

Im Grunde hatte ich anhand der Seminarbeschreibung, die ich natürlich auch nur überflogen habe und mich deswegen auch nicht aufführen kann wie Mr. Perfect, ein Technikseminar erwartet. „Orientierung an der Leine und im Freilauf“ stand da und ich dachte, wir machen etwas Leinenführigkeit, Schleppleinentraining, Rückruf, das übliche Handwerkszeug eben, wovon man zwar eigentlich schon alles kennt, aber irgendwie doch immer noch was dazu lernt. – War es nicht. War ganz anders.

Richtig interessant wurde dann also der zweite Tag, der weniger mit Theorie und mehr mit Praxis und zudem mit unseren Hunden bestimmt war. Hier wurden mit Einverständnis der Halter Hunde getauscht, analysiert und es wurde im Detail in der Gruppe unter Anleitung der Referentin besprochen, worum es bei dem jeweiligen Hund (und manchmal auch dem Halter) geht und welche Ansätze man verfolgen könnte, um die Kommunikation mit dem Hund zu verbessern – und ganz wichtig, auch mal dem Hund zu helfen, nicht nur dem Halter.

So niedergeschrieben klingt das vielleicht jetzt erst einmal nach nicht besonders viel. Entscheidend war aber die Konzentration und die Intensität, mit der Ines die Gruppe durch dieses Thema führte. Stellenweise wurden noch weitere Übungen vorgenommen. Ganzheitliche und rein positive Ansätze erläutert und demonstriert und das Seminar nach einer Fragerunde und Diskussionsrunde beendet, wobei jeder der Teilnehmer seine Eindrücke von den beiden Tagen wiedergeben durfte. Die Referentin sichert zu, auch nach dem Seminar noch per E-Mail-Nachricht gerne Antworten auf Fragen, die sich aus dem Seminar ergeben zu beantworten. Ich finde das sehr gut.

Meine abschließende Meinung war an diesem Tag und ich kann mich dabei nur wiederholen: „Ich habe laut Beschreibung ein anderes Seminar gebucht, würde dieses hier aber auf jeden Fall auch buchen“.

Das Seminar war eine willkommene Abwechslung und eine tolle Anleitung, sich offener auf die Kommunikation mit dem Hund einzulassen. Eines steht für mich fest: Ines Kivelitz ist mit eine der besten Referentinnen und Hundetrainer, die mir in meiner langjährigen Laufbahn als Halter und Seminarbesucher untergekommen sind. Sie ist hochkonzentriert, einfühlsam und verfügt ganz offensichtlich über ein unglaublich breites Spektrum an Wissen aus vielen unterschiedlichen Bereichen der Hundewelt und arbeitet nicht einfach nur mechanisch irgendwelche Methoden runter. Besonders hervorzuheben ist ihr ausgesprochen respektvoller Umgang mit den teilnehmenden Menschen und auch deren Hunden, die zu keiner Zeit Zweifel daran aufkommen lassen, für wen dieses Seminar veranstaltet wird und jedem die Chance gibt, vernünftig teilzunehmen, ohne befürchten zu müssen, vorgeführt oder vor den anderen Teilnehmern bewertet zu werden.

Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Seminar mit ihr!

Nach Ende des Seminars erhalte ich abschließend eine weitere E-Mail-Nachricht von der Hunde-Akademie, in der ich nach einer freundlichen Einleitung nach meiner Meinung zum Seminar gefragt werde, womit wir wieder beim CRM-Ratgeber wären. Ein wirklich gut geführtes Unternehmen mit durchweg sympathischen und kompetenten Mitarbeitern. Da war ich mit Sicherheit auch nicht das letzte Mal.