Beispiel für einen eskalierenden Konflikt zwischen einem Schäferhund und der Freundin des Halters,
Gedanken zu den üblichen Kommentaren in Sozialen Netzwerken

https://www.facebook.com/paw.man.3/posts/10220143702691745

Interessantes Video. Auch im Hinblick auf die kürzlichen Schäferhunddiskussionen, die durch meinen Beitrag in den Kommentaren entstanden sind. Generell können solche Situationen aber natürlich mit einem Hund jeder Rasse auftreten, auch in Hund-Hund-Konstellationen oder Hund-Hund-Mensch, usw.

Um eventuellen, wirklich saudämlichen Kommentaren vorzubeugen, seien einmal folgende Dinge angesprochen:

# „Kein Hund wird böse geboren!“

Hunde sind Tiere einer, relativ zum Menschen, niedrigeren Entwicklungsstufe. Ethik und Moral sind menschliche Konstrukte, die das Zusammenleben in einer sozialen Gemeinschaft auch dann ermöglichen sollen, wenn Menschen alt, krank, schwach oder behindert sind. Hunde folgen nicht diesen Konstruktionen, auch wenn sie selbstverständlich hochsoziale Tiere sind.

# „Der Mensch ist immer schuld!“

Nein. Das ist Blödsinn. Natürlich kommt es oft vor, dass Menschen keine Ahnung haben, was der Hund von ihnen will, was er da gerade tut und ihn vielleicht falsch halten oder falsch mit ihm umgehen. Grundsätzlich ist ein Hund aber nicht nur ein Tier, sondern – zieht man verschiedene Anlagen durch Zucht und Rasse ab – auch ein Individuum. So wie es viele zarte Engel unter ihnen gibt, gibt es eben auch ganz schön miese Drecksäcke. Des Weiteren sei bemerkt, dass Hunde Opportunisten sind, woraus sich ohnehin schon die ein oder andere komplizierte Situation entwickeln kann. Außerdem gibt es weder einen Weiberclub, in dem sich alle Hündinnen mögen müssen – eher im Gegenteil, noch gibt es eine coole Gäng, in der sich alle metrosexuellen Hundejungs gegenseitig die Pfötchen streicheln und die Haare glatt legen.

# „Selber Schuld, weil …!“

F*ckt euch!

Wer gerade von einem Hund ins Krankenhaus befördert wurde oder sein Kind, seine Frau, seinen Mann, Opa, Oma oder vielleicht seinen eigenen Hund durch eine Hundeattacke verloren hat oder gerade um dessen Leben bangen muss, der braucht bestimmt nicht noch euren erbärmlichen, schadenfrohen Klugschiss – und zwar ungeachtet der Situation, die es gilt, gesondert aufzuarbeiten und die euch am Ende des Tages sowieso einen Scheiß angeht.

Wer so empathielos ist, sucht sich besser gleich ne Therapie. Von alleine wird das nicht besser. Und ganz wichtig: Bis zur vollständigen Heilung bitte gepflegt die Sabbel halten.

# „Also ich kenne EINEN Hund, der ist…“

Ganz ehrlich, wenn ich einen Wunsch bei Facebook frei hätte, würde ich mir wünschen, dass die ganzen Milchbrötchen gesperrt werden. Süße junge Hüpfer, die mit Anfang 20 und ihren Agi-Aussies schon so tun, als hätten sie nicht nur die Weisheit mit Löffeln gefressen, sondern grob 30 Jahre Erfahrung und Hunde erfunden.

Außerdem kennen sie sich natürlich sehr gut mit Aggression aus, obwohl sie in ihrem Leben noch nicht vor einem einzigen Hund standen, der es JETZT wissen will und das auch kompromisslos durchzieht.

Ich war auf vielen Seminaren und ich habe viele Hundetrainer heulen sehen, die vorher im Gespräch ach so viel Ahnung und ach so viel Erfahrung hatten. Selbst Männer, die lieber die Arschbacken zusammengekniffen haben, als mal an der Leine ne Runde mit einer gesicherten(!), süßen Fellnase zu drehen, die ihrem Unmut sehr klar, deutlich und vor allem körperlich nachdruck verleiht.

Und, Butter bei die Fische, ich stell mich auch nicht vor jeden Hund hin. Ich bin weder völlig bescheuert noch lebensmüde.

# „Die sind alle traumatisiert…!“

Einen Scheiß sind die alle traumatisiert. Ich glaube viel eher, dass ein nicht unwesentlich hoher Anteil der Frauen und Männer, die ihre Emotionen bezüglich eines Hundes nicht mit der realen Welt vereinbart bekommen, irgendwelche mehr oder weniger schlimmen Sachen zu verarbeiten haben. Das tut mir zwar leid, macht die Grundaussage aber eben nicht weniger schwachsinnig.

Und auch hier, sucht euch lieber ne Therapie. Hunde sind weder eine Therapie noch eignen sie sich als Kompensator für psychische Störungen oder Traumata. Als Kompensator für Blödheit übrigens auch nicht.

# „Es ist wissenschaftlich belegt, dass…“

Im Ernst?! Wie viele von euch Superintellektuellen haben eigentlich die zugehörigen Studien wirklich gelesen oder sind überhaupt in der Lage, eine Studie zu lesen und zu verstehen – geschweige denn, diese auf Plausibilität zu prüfen und/oder mit anderen Studien zu vergleichen? Ich sag euch was, ich hab ein paar Studien gelesen. Die sind in der Regel furztrocken, sehr kompliziert und nicht selten sind die Ergebnisse auslegbar. Ganz zu schweigen davon, dass sicher nicht selten die Eingangsparameter bereits darauf ausgelegt sind, am Ende ein bestimmtes Ergebnis rechtfertigen zu können.

Richtig lustig wird es aber dann, wenn Studien an völlig anderen Arten (als Tiere, die keine Hunde sind) durchgeführt wurden und die Hundewelt loszieht und die ohnehin fragwürdigen Ergebnisse als gottgegebene Fakten für alle Hunde verkauft, obwohl sie persönlich nur grob 15 deutsche Hunde vom Züchter und sieben Rumänen aus unbekannter Herkunft kennen. Dabei ist es natürlich völlig logisch, dass Hunde und afrikanische Kröten miteinander vergleichbar sind…

# „Der muss nur in passende Hände und dann…“

Ja, ehrlich? Ist das so? Kann man wirklich jeden Hund resozialisieren? Und dann läuft der draußen wieder frei rum, ohne Maulkorb, ohne Leine? Genießt sein Leben und liegt in der Sonne im Gras und das alles?

Viele Hunde, Brecher, die resozialisiert werden, gehen nie wieder ohne Maulkorb, Leine und Sicherheitsgeschirr auf die Straße. Manche gehen überhaupt nie wieder auf die Straße, sondern nur von Zwinger zu Freilauf und von Freilauf zu Zwinger. Die restliche Zeit hocken sie auf 4 betonierten Quadratmetern und die beiden Highlights des Tages sind der Hochdruckreiniger, der die restliche Scheiße wegstrahlt, während die Hunde im Auslauf sind und die Fütterungen. Also, wenn es sich dafür nicht zu leben lohnt, weiß ich auch nicht. Und ob man jedem der resozialisierten Hunde mit seinem eigenen Hund und/oder Kind begegnen möchte, weiß ich auch nicht.

Ach so. Die wenigsten haben übrigens ein eigenes Sofa.

# Fazit

Ich habe heute leider kein Fazit für euch. Aber, je früher man versucht, Situationen realistischer und weniger romantisch einzuschätzen, desto eher werden sich die Unfälle zwischen Menschen und Hunden verringern. Der Boden der Tatsachen ist gar nicht so weit weg, man muss nur mal wieder runter von seinem moralischen Regenbogenpony, dann kann man auch wieder was bewirken.

Kommt mal klar, ey.

Danke.

– Video via Ina Bleeker