Böser Hundetrainer, BÖSE, BÖSE, BÖSE!

Kennt ihr Michael Grewe? Oder, vielleicht Nadin Matthews? Wie steht es um Clarissa von Reinhardt? Oder vielleicht Manuela Zaitz? Okay, aber Martin Rütter kennt ihr doch?! Nun, sie alle haben so einige Gemeinsamkeiten. Die erste, sie sind Hundetrainer, die zweite, sie bilden Hundetrainer aus – und last but not least, ihre größte Gemeinsamkeit: Keiner mag sie.

Mich amüsiert natürlich der Gedanke, dass einige meiner lieben Leser schon innerlich angefangen haben, Kommentare zu verfassen, die mit „DOCH! Ich mag …!“ beginnen. Aber ich kann euch beruhigen: Nicht jeder mag alle von ihnen nicht. Viel mehr ist es so, dass die Landschaft der Trainer und ambitionierten Hundehalter durchzogen ist von unsichtbaren Grenzen, in denen jeder „seinen Trainer“ mag, den anderen aber möglichst maximal doof findet.

Wie meine Haltung ist? Wozu ich tendiere? Wen ich mag? Ich kenne keine der Personen in einem solchen Umfang, dass ich mir eine persönliche Meinung über sie bilden könnte. Ich kenne, zumindest in unterschiedlich umfangreichen Teilen, ihre Ansätze und Methoden und kann nur sagen, dass sie alle Recht haben. Natürlich nicht immer und nicht überall und nicht für jeden Fall und vielleicht auch nicht mit jedem Ansatz oder jeder Methode, aber im Wesentlichen haben wir hier wohl die am weitesten auseinander liegenden Paradigmen genannt. Und sie haben im Grunde alle Recht.
Wenn man mit seinen Hunden einen gewissen Stand erreicht und ein paar Seminare besucht hat, kommt man irgendwann an einen Punkt, an dem man nicht an den oben genannten Namen vorbei kommt. Sei es durch ihre Expertise oder durch ihre Extroviertheit oder einfach nur, weil sie einen gewissen Unterhaltungswert haben, einen Namen haben sie sich alle in der Branche gemacht. Wen oder welche Philosophie man nun am sympathischen oder passendsten findet, ist und bleibt jedem selbst überlassen.
Immer wieder stöbere ich durch das Netz, finde dieses, finde jenes, lese hier über ein Problem mit dem Hund, lese da über eine unerwünschte Verhaltensweise des Hundes – und dann lese ich die Antworten auf die Frage nach Ratschlägen.
Zunächst sei gesagt, dass Ratschläge, die aus dem Internet kommen, immer mit Vorsicht zu genießen sind. Nicht jeder Ratschlag ist für jede Situation der passende, nicht jeder Mensch kann jeden Tipp vernünftig umsetzen und hat das oft nötige Timing und last but not least – es gibt einfach Hunde, bei denen Tipp xyz von Hans Wurscht aus dem Internet einfach komplett kontraproduktiv oder vielleicht sogar gefährlich für Mensch und Hund ist.
Wenn man ausreichend lange und viele dieser Ratschläge gelesen hat, kann man diese sehr schön in Kategorien unterteilen:
  • Das Küken, dass unzählige Forenbeiträge gelesen hat und zwar erst ihren eigenen Aussie an der Leine hatte, aber der kann schon Sitz & Platz und Agility. Gut, der Rückruf klappt noch nicht so gut, aber dafür machen sie noch Schleppleinentraining.
  • Die Mutti, die diesen Ratschlag von einer anderen Mutti auf der Hundewiese bekommen hat. Mutti knows best. Immer. Hunde sind nämlich wie Kinder. Alle Hunde. Wie alle Kinder.
  • Der Hundesportler, der das schon immer so gemacht hat und der berichtet, dass das noch bei jedem Hund funktioniert hat.
  • Der „freie“ Hundetrainer, Typ gelangweilte Hausfrau, die gleich mit BARF und Auslastungstipps in die Vollen geht.
  • Der „freie“ Hundetrainer, Typ Ichmachdasschonseit30Jahren, die euch in der Regel nur Richtungen weisen und euch raten, euch an einen Trainer zu wenden.
  • Die Hundetrainer, die sich einem bestimmten Ideal verschrieben haben, und euch methodische Tipps geben, die genau diesem einen Ideal entsprechen. Oft einhergehend mit der Verteufelung von Tipps, die auf anderen Idealen beruhen. Vollkommen egal, ob das nun für euch und eure Hunde passt.
Mein Ratschlag an euch an dieser Stelle: Holt euch Ratschläge aus dem Internet; so viele ihr nur irgendwie könnt. Und dann sucht ihr nach Trainern in eurer Nähe und anschließend informiert ihr euch über diese Trainer und sucht den für euch passenden raus. Mit diesen Informationen und gewappnet mit einer Menge Möglichkeiten, passiert euch wenigstens kein grober Unfug mehr. Ist euch der Trainer nicht sympathisch? Traut ihr ihm nicht? Habt ihr ein mieses Gefühl bei der Umsetzung seiner Methoden? Wechselt den Trainer. Nicht irgendwann. Jetzt. Sofort.
Und geht auch nicht zum Trainer „Müller“, weil eure Freundin dort ist, oder weil man euch zu dem geraten hat. Oder sogar, weil er bei einer der oben genannten Personen gelernt hat. Ein für euch guter Trainer geht auf euch und eure Hunde ein, gibt euch ein gutes Gefühl bei dem, was ihr tut und sorgt für Fortschritte auf dem Gebiet, das ihr erlernt, oder dem Problem an dem ihr arbeitet.
Bei all den Dingen, die ich bisher von vielen unterschiedlichen Menschen lernen durfte, darf man eines mit Bestimmtheit sagen: Individualität und die Fähigkeit auf das Mensch-Hund-Team einzugehen ist das A und O jedes guten Hundetrainers. Fernab jeglicher Methodik, fernab jeglicher großer oder nicht so großer Namen. Es ist eine Schande, dass so viel gutes Wissen so schwer zu finden ist, nur weil die Welt der Trainer so zerklüftet ist. Sei es aus persönlichen oder wirtschaftlichen Interessen, für den Halter spielt das keine Rolle und für den Hund am Ende sowieso nicht. Hört auf eure innere Stimme und arbeitet mit und nicht gegen euren vierbeinigen Freund.
Für mehr Ehrlichkeit am Hund!
Danke.